YALLAH HOBBI Autor · Musiker · Produzent

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Auswandern aus Deutschland 2026: Wohin ziehen Deutsche – und welches Land passt wirklich?

Autor: 10 Min. Lesezeit

Schweiz, Österreich, Spanien oder doch weiter weg? Wer Deutschland verlassen möchte, sucht häufig nach niedrigeren Kosten, besseren beruflichen Chancen oder mehr Lebensqualität. Doch ein Land, das im Urlaub überzeugt, muss noch lange kein guter Ort für den Alltag sein.

Ein Reisender mit Koffer blickt in einem internationalen Flughafen auf Abfluganzeigen und startende Flugzeuge – Titelbild zum Thema Auswandern aus Deutschland.

Auswandern beginnt selten mit einem Flugticket. Meist beginnt es mit einer Frage: Was wäre, wenn ich woanders leben würde? Vielleicht entsteht dieser Gedanke nach einer weiteren Mieterhöhung, nach Jahren beruflicher Unzufriedenheit, im Urlaub oder einfach deshalb, weil man sich fragt, ob der Ort, an dem man geboren wurde, automatisch der Ort sein muss, an dem man sein ganzes Leben verbringt. Der Wunsch, Deutschland zu verlassen, ist dabei keineswegs nur ein Phänomen sozialer Medien. Bei deutschen Staatsangehörigen verzeichnet die amtliche Statistik bereits seit 2005 einen negativen Wanderungssaldo gegenüber dem Ausland. Im Jahr 2025 lag dieser bei rund 97.000 Personen und damit höher als 2024 mit rund 81.000. Besonders häufig zogen deutsche Staatsangehörige 2025 in die Schweiz, nach Österreich und nach Spanien. Doch die entscheidende Frage lautet nicht: Welches ist das beste Land zum Auswandern? Sondern: Welches Land passt zu meinem tatsächlichen Leben?

Warum wollen Menschen Deutschland verlassen?

Die Gründe unterscheiden sich erheblich.

Für manche geht es um Karriere und Einkommen. Andere suchen ein wärmeres Klima, geringere Lebenshaltungskosten oder einen Alltag, den sie als weniger belastend empfinden.

Wieder andere möchten näher bei Familie oder Partner leben, gründen im Ausland ein Unternehmen oder können ihren Beruf inzwischen vollständig online ausüben.

Dabei werden häufig dieselben Themen genannt: Wohnkosten, Steuern und Abgaben, Bürokratie, berufliche Perspektiven, Klima, Sicherheit, politische und gesellschaftliche Entwicklung, Familienplanung, Rente und persönliche Lebensqualität.

Aber diese Faktoren lassen sich nicht isoliert betrachten. Ein Land mit niedrigen Lebenshaltungskosten kann gleichzeitig niedrige Einkommen haben. Ein Land mit attraktiven Steuern kann hohe Wohnkosten verursachen. Sonniges Wetter hilft wenig, wenn Aufenthaltsrecht, Krankenversicherung oder Einkommen nicht geklärt sind.

Genau deshalb scheitert die Suche nach dem „besten Auswanderungsland“ oft schon an der falschen Fragestellung.

Wohin wandern Deutsche tatsächlich aus?

Bei den Fortzügen deutscher Staatsangehöriger lagen 2025 drei Länder vorne: Schweiz mit rund 23.000 Fortzügen, Österreich mit rund 14.000 und Spanien mit rund 10.000.

Auch bei den dauerhaft im europäischen Ausland lebenden Deutschen zeigt sich ein ähnliches Bild. Anfang 2025 lebten rund 329.900 deutsche Staatsangehörige in der Schweiz, etwa 239.500 in Österreich und rund 131.800 in Spanien.

Diese Zahlen erklären allerdings nicht automatisch, warum Menschen ein bestimmtes Land wählen. Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass aus diesen Daten keine individuellen Auswanderungsgründe hervorgehen.

Trotzdem zeigen die Zahlen etwas Interessantes: Viele Menschen ziehen nicht möglichst weit weg. Sie suchen offenbar häufig eine Kombination aus Veränderung und Vertrautheit.

Schweiz: hohe Einkommen, aber kein günstiger Neustart

Die Schweiz steht seit Jahren weit oben bei deutschen Auswanderern. Das ist nachvollziehbar.

Die geografische Nähe ist groß, Deutsch ist in weiten Teilen des Landes Alltagssprache und für bestimmte qualifizierte Berufe können die Verdienstmöglichkeiten attraktiv sein.

Doch die Schweiz ist kein klassisches Ziel für Menschen, die vor allem billiger leben möchten. Mieten, Dienstleistungen, Krankenversicherung und alltägliche Ausgaben können erheblich sein.

Ein hohes Schweizer Gehalt lässt sich deshalb nicht sinnvoll mit einem deutschen Gehalt vergleichen, ohne gleichzeitig die Schweizer Kostenstruktur zu berücksichtigen.

Die richtige Frage lautet also nicht: „Wie viel verdiene ich dort?“ Sondern: „Wie viel bleibt mir nach meinem tatsächlichen Schweizer Alltag?“

Österreich: Auswandern ohne großen kulturellen Bruch

Österreich ist für Deutsche eines der naheliegendsten Ziele.

Sprache, geografische Nähe und viele kulturelle Gemeinsamkeiten reduzieren einige der Hürden, die bei einem Umzug in ein völlig anderes Land auftreten.

Bemerkenswert ist die Entwicklung der vergangenen Jahre: Anfang 2025 lebten gut 239.500 Deutsche in Österreich. Innerhalb von zehn Jahren stieg ihre Zahl um rund 69.000 beziehungsweise 40,5 Prozent.

Trotzdem sollte man Österreich nicht als „Deutschland mit Bergen“ betrachten. Arbeitsmarkt, Verwaltung, Steuern, Sozialversicherung und Alltagskultur unterscheiden sich in relevanten Punkten.

Wer dauerhaft dort leben möchte, muss sich auch mit diesen Unterschieden beschäftigen.

Spanien: Sonne allein reicht nicht

Spanien steht für viele Menschen sinnbildlich für das Leben, das sie sich nach dem Auswandern vorstellen: Sonne, Meer, spätes Abendessen, mehr Zeit draußen.

Und Spanien gewinnt bei Deutschen tatsächlich wieder an Bedeutung. Anfang 2025 lebten dort rund 131.800 deutsche Staatsangehörige. Seit 2022 steigt ihre Zahl wieder; gegenüber dem Vorjahr betrug das Plus 2025 rund drei Prozent.

Die Statistik zeigt außerdem einen deutlichen Altersunterschied zwischen verschiedenen Zielländern. Während in Österreich 13,3 Prozent der dort lebenden Deutschen 65 Jahre oder älter waren, lag dieser Anteil in Spanien bei 26,8 Prozent.

Spanien ist also auch für Menschen im Ruhestand relevant. Aber dauerhaftes Leben unterscheidet sich grundlegend vom Urlaub.

Behördengänge, Steuerfragen, medizinische Versorgung, Sprachkenntnisse und die Situation auf dem Wohnungsmarkt gehören ebenfalls zum Alltag.

Und was ist mit der Türkei?

Auch die Türkei erscheint regelmäßig auf den Wunschlisten potenzieller Auswanderer.

Das Land kann insbesondere für Menschen interessant sein, die familiäre Verbindungen haben, die Sprache sprechen, ortsunabhängig verdienen oder bereits persönliche Erfahrungen mit dem Alltag dort besitzen.

Doch gerade bei Ländern außerhalb der EU ist eine Sache entscheidend: Man sollte nicht von europäischen Regeln ausgehen.

Aufenthaltsrecht, Krankenversicherung, Bankgeschäfte, Besteuerung, Immobilienfragen und Arbeitserlaubnisse können anderen Rahmenbedingungen unterliegen.

Auch Wechselkurse können einen Alltag, der heute günstig erscheint, langfristig stark verändern.

Wer in die Türkei oder ein anderes Nicht-EU-Land ziehen möchte, sollte deshalb zuerst die rechtliche und finanzielle Struktur klären und erst danach über Möbel, Wohnung oder Flugtickets nachdenken.

Welches Land ist günstig zum Auswandern?

Diese Frage gehört zu den naheliegendsten – und gleichzeitig zu den gefährlichsten.

Denn „günstig“ ist keine feste Eigenschaft eines Landes. Es hängt davon ab, wo genau man wohnt, wie man wohnt, woher das Einkommen kommt, in welcher Währung man verdient, ob Kinder vorhanden sind, welche Krankenversicherung benötigt wird, wie häufig man nach Deutschland reist, ob man ein Auto braucht und welche steuerlichen Verpflichtungen bestehen.

Eine Person mit deutschem Remote-Einkommen kann in einem Land vollkommen anders leben als jemand, der dort einen lokalen Arbeitsvertrag annimmt.

Auch ein vermeintlich günstiges Land kann teuer werden, wenn man ausschließlich in touristischen Regionen lebt oder seinen deutschen Lebensstandard unverändert importieren möchte.

Wie viel Geld braucht man zum Auswandern?

Eine pauschale Summe gibt es nicht.

Wer innerhalb der EU mit einem bereits unterschriebenen Arbeitsvertrag umzieht, befindet sich in einer anderen Situation als jemand, der ohne gesichertes Einkommen auf einen anderen Kontinent zieht.

Vor dem Umzug sollte deshalb mindestens geklärt sein: Wie lange kann ich ohne Einkommen leben?

Zu berücksichtigen sind unter anderem Kaution, erste Miete, Transport oder Umzug, Reise, Versicherungen, Behördendokumente, Aufenthaltsgenehmigungen, eventuelle Übersetzungen und Beglaubigungen, Einrichtung, Rücklagen für Notfälle und eine Rückreiseoption.

Ein finanzieller Puffer ist keine Nebensache. Er kann darüber entscheiden, ob ein schwieriger erster Monat lediglich anstrengend oder existenziell problematisch wird.

Kann man ohne viel Geld auswandern?

Man kann mit begrenztem Kapital auswandern. Aber ohne Plan und ohne finanzielle Reserve auszuwandern ist etwas anderes.

Besonders riskant wird es, wenn mehrere Unsicherheiten gleichzeitig bestehen: kein Arbeitsplatz, keine Wohnung, ungeklärter Aufenthaltsstatus und kaum Rücklagen.

Dann reicht bereits ein medizinisches Problem, eine gescheiterte Wohnungssuche oder eine verzögerte Arbeitserlaubnis, um die gesamte Planung ins Wanken zu bringen.

Wer wenig Startkapital hat, benötigt deshalb meist umso mehr Vorbereitung.

Arbeiten im Ausland: Das Einkommen entscheidet mehr als das Wetter

Viele Auswanderungspläne konzentrieren sich zunächst auf das Land. Dabei ist die Einkommensfrage häufig wichtiger.

Es macht einen erheblichen Unterschied, ob jemand für einen Arbeitgeber im Zielland arbeitet, selbstständig tätig ist, ein deutsches Unternehmen weiterführt, ortsunabhängig arbeitet, von Vermögen lebt oder Rente erhält.

Auch steuerlich können diese Modelle völlig unterschiedliche Folgen haben.

Wer dauerhaft im Ausland lebt, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass allein eine Abmeldung in Deutschland automatisch sämtliche steuerlichen Fragen beendet.

Bei komplexen Fällen ist individuelle steuerliche Beratung sinnvoll.

Krankenversicherung: Einer der am häufigsten unterschätzten Punkte

Solange man gesund ist, wirkt die Krankenversicherung schnell wie eine Formalität. Beim Auswandern kann sie jedoch zu einem der wichtigsten Themen werden.

Welche Absicherung möglich oder erforderlich ist, hängt unter anderem vom Zielland, dem Aufenthaltsstatus, der beruflichen Situation und bestehenden Versicherungssystemen ab.

Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen, Familien und ältere Auswanderer sollten diesen Punkt nicht erst nach dem Umzug klären.

Eine günstige Wohnung verliert schnell ihre Bedeutung, wenn eine notwendige medizinische Versorgung nicht ausreichend abgesichert ist.

Auswandern mit Kindern

Bei Familien verändert sich die Entscheidung grundlegend.

Dann geht es nicht nur um Lebenshaltungskosten und Wetter, sondern auch um Schulen, Unterrichtssprache, Schulwege, Betreuung, medizinische Versorgung, Aufenthaltsrechte, soziale Integration sowie die Nähe zu Familie und Freunden.

Kinder können eine neue Sprache häufig schnell aufnehmen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jeder Schulwechsel problemlos verläuft.

Ein Land sollte deshalb nicht nur danach ausgewählt werden, wo die Eltern gerne leben würden, sondern auch danach, wie realistisch dort der Alltag der gesamten Familie funktioniert.

Auswandern als Rentner

Für Rentner können andere Faktoren wichtig sein als für Berufstätige.

Klima und Lebenshaltungskosten spielen eine Rolle, aber ebenso medizinische Infrastruktur, Erreichbarkeit Deutschlands, Besteuerung der Rente, Pflege, Sprachkenntnisse, gesellschaftliches Umfeld und langfristiges Aufenthaltsrecht.

Gerade Spanien ist bei älteren Deutschen vergleichsweise stark vertreten.

Doch auch hier gilt: Ein Ort, an dem man drei Wochen Urlaub genießt, muss nicht automatisch der richtige Ort für die nächsten zwanzig Jahre sein.

EU oder Nicht-EU?

Für deutsche Staatsangehörige macht es einen erheblichen Unterschied, ob das Ziel innerhalb oder außerhalb der Europäischen Union liegt.

Innerhalb der EU bestehen weitreichende Freizügigkeitsrechte. Außerhalb der EU können dagegen Visa, Aufenthaltstitel oder Arbeitserlaubnisse erforderlich sein.

Das bedeutet nicht, dass ein Nicht-EU-Land die schlechtere Wahl ist. Es bedeutet lediglich, dass die Planung komplexer werden kann.

Wer beispielsweise von Spanien, Österreich oder Portugal in die Türkei, nach Thailand oder in die Vereinigten Arabischen Emirate wechselt, bewegt sich rechtlich in einer anderen Ausgangslage.

Diese Unterschiede gehören in die Entscheidung, bevor man sich emotional auf ein bestimmtes Land festlegt.

Warum Auswandern manchmal scheitert

Viele gescheiterte Auswanderungspläne beginnen nicht mit einem schlechten Land. Sie beginnen mit unrealistischen Erwartungen.

Urlaub mit Alltag verwechseln: Zwei Wochen am Meer zeigen wenig darüber, wie sich Bürokratie, Arbeit und Verpflichtungen anfühlen.

Zu wenig finanzielle Reserve: Unerwartete Kosten entstehen fast immer.

Sprache unterschätzen: Mit Englisch kommt man in manchen Regionen weit. Ein dauerhaftes Leben kann trotzdem schwierig werden, wenn Behörden, Ärzte oder Vermieter eine andere Sprache verwenden.

Steuern und Aufenthaltsrecht erst später prüfen: Diese Fragen gehören an den Anfang.

Nur vom günstigeren Leben ausgehen: Preise können steigen. Wechselkurse können sich ändern. Einkommen können wegfallen.

Deutschland idealisieren, sobald Schwierigkeiten auftreten: Nach einigen Monaten erinnern sich Menschen häufig stärker an die Vorteile ihres früheren Lebens und weniger an die Gründe, weshalb sie gegangen sind.

Vor dem Auswandern: Diese Fragen sollte man beantworten können

Bevor aus einer Idee ein Umzug wird, sollten einige Antworten feststehen.

Wovon werde ich leben? Darf ich dort dauerhaft wohnen und arbeiten? Wie bin ich krankenversichert? Wie funktioniert meine steuerliche Situation? Wie hoch sind meine realistischen monatlichen Kosten? Was passiert, wenn mein Einkommen wegfällt? Spreche ich die Sprache ausreichend für den Alltag? Wie sieht mein Plan B aus? Kann und will ich auch nach drei Jahren noch dort leben – nicht nur im Sommer?

Wer diese Fragen ehrlich beantworten kann, hat bereits mehr Vorbereitung geleistet als jemand, der ausschließlich nach dem schönsten oder günstigsten Land sucht.

Das beste Land zum Auswandern gibt es nicht

Die Schweiz kann für eine hochqualifizierte Fachkraft hervorragend passen und für jemanden mit begrenztem Einkommen völlig ungeeignet sein.

Spanien kann für einen Rentner ideal sein und für einen bestimmten Beruf kaum Perspektiven bieten.

Die Türkei kann für jemanden mit Familie, Sprache und gesichertem Einkommen ein logischer Lebensmittelpunkt sein und für einen anderen Menschen unnötig kompliziert.

Österreich kann genau die richtige Mischung aus Veränderung und Vertrautheit bieten – oder zu wenig von dem Neuanfang, den jemand eigentlich sucht.

Auswandern bedeutet deshalb nicht, das Land mit der höchsten Platzierung in irgendeinem Ranking zu wählen.

Es bedeutet, einen Ort zu finden, an dem Einkommen, Aufenthaltsrecht, Kosten, Gesundheit, Familie und persönliche Lebensvorstellungen gleichzeitig funktionieren.

Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Ein anderes Land kann ein anderes Leben ermöglichen. Es garantiert aber kein besseres.